vom Weltverbessern, Entrümpeln, Konsumverzicht und Lebensglück ...

mein Blog vom Entrümpeln, Konsumverzicht, Ausmisten, Downshiften, Minimalismus oder so :) Bis zum Ende des Jahres sollen es 1.000 Teile weniger sein!

Mittwoch, 15. Mai 2013

das echte Meißner

Doch ja, ich entrümple weiter, auch wenn ich feststelle, dass wirkliches Entrümpeln mehr ein Herbst, Winter-Ding ist, denn jetzt ruft der Garten.
Letzte Woche stand ich vor meinem sehr großen Geschirrschrank.
Eigentlich sind das 3 Schränke - eine Geschirrschrankwand.
Meine sämtlichen lieben Verstorbenen - oder verstorbenen Lieben - hatten eine gewisse Leidenschaft für schönes Geschirr gemeinsam.
Als Kind war ich für alles was einen Goldrand hatte, wohl sehr begeisterungsfähig und so erbte ich die Geschirr-Schätze von gleich 3 Omas und Tanten.
Jahrzehntelang habe ich diese Sachen mit großer Ehrfurcht, bzw blanker Panik benutzt.
Alles immer schön von Hand abgewaschen und auch nur sehr selten überhaupt aus dem Schrank geholt.
Im April machte irgendwas *klick* und ich begriff, dass ich eigentlich viel lieber Platz in meinem Schrank hätte, als Geschirr, dass ich mich kaum zu benutzen traue.
Der letzte Erbfall ist 10 Jahre her und es gibt wirklich niemanden, den ich mit einem Verkauf verletzt hätte.
Todesmutig hängte ich mich also ans Telefon und kontaktierte ein Auktionshaus in Hamburg.
Man ermunterte mich, meine Schätze zu fotografieren - bitte auch die Porzellanstempel.
Ich war sehr gespannt, plante insgeheim schon mal die eine oder andere Weltreise und das eine oder andere Umräumen im Schrank, als dann die Antwort des wirklich sehr netten Porzellan-Experten kam.
Ach so - um nicht übertölpelt zu werden, hatte ich eines der Bilder auch an einen anderen Antiquitätenhändler gesandt und gefragt, ob es lohnen würde, mit dem edlen Stück bei ihm vorbei zu schauen.

Von ihm kam zuerst eine Antwort:

lohnt nicht
Viele Grüße aus Dortmund
Ihr ...


Kurz, knapp und unglaublich, oder?

Dann kam noch eine ausführliche Mail von dem Hamburger Auktionshaus und ich kichere noch heute leise vor mich hin:

vielen Dank, dass Sie sich an ... gewandt haben und für die Zusendung der Fotos.

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, die von Ihnen angebotenen Objekte für eine unserer Auktionen weniger geeignet sind. Es handelt sich um Objekte, für welche wir nach derzeitiger Marktlage keine Kunden haben. In der Tat ist nur das Service (so wie Sie bereits richtig vermuteten) von Meissen. Bei den anderen Porzellan-Teilen handelt es sich um weniger namhafte deutsche Manufakturen, für die es momentan keine Kunden gibt. Bei dem Service kommt erschwerend hinzu, dass die Marke 2 Schleifstriche (2. Wahl) aufweist und dass es nicht komplett für 6 Personen ist.

Auch mein Kollege aus der Gemälde-Abteilung teilte mir mit, dass wir für Ihre beiden Gemälde leider keine Kunden haben.

Leider kann ich Ihnen keine andere Mitteilung machen. Dennoch hoffe ich, dass meine Auskunft Ihnen wenigstens etwas weiterhilft.

Bei Rückfragen oder für zukünftige Angebote und weitere Anfragen stehe ich Ihnen gerne persönlich zur Verfügung. Sie erreichen mich auch telefonisch. Wir hoffen, dass Sie beim nächsten Mal trotzdem wieder auf uns zurückkommen und verbleiben

Mit freundlichen Grüßen


Meine Schätze sind also wertlos - was das Versilbern bzw zu Bargeld Machen angeht.
Dennoch war es eine grandiose Idee, das Auktionshaus zu kontaktieren, denn nachdem ich nun weiß, dass meine Schätze eher ideellen als monetären Wert haben, benutze ich sie nun viel öfter.
Halt:
Richtig ist, ich benutze sie.
Sonst immer nur zu Weihnachten, jetzt zu allen Kaffee-Gelegenheiten.

(ach ja, die beiden Bilder stehen auf dem Dachboden und wurden von uns immer "beäugt", da meine Oma in Dessau lebte.
Hätte ja sein können, dass einer "ihrer Künstler" später mal berühmt wurde. Wurden sie nicht.)

Also, wer irgendwelche "Unberührbaren" im Schrank hat:
Knipsen, schätzen lassen und entweder reich oder sehr viel gelassener werden!

Froh bin ich, dass meine Omis-Tanten in ihrer "Schätze-Überzeugung" geblieben sind, denn die Sachen unbeschadet durch den Krieg zu bringen, war eine Herausfoderung für sich ...

Lustig fand ich auch die Reaktion meiner Mutter, die mich eindringlich warnte, mich nicht hereinlegen zu lassen.
Da mir ja schlicht überhaupt kein Preis gemacht wurde, sehe ich die Gefahr sehr gering.

Kommentare:

  1. Im letzten halben Jahr haben wir das Haus meiner verstorbenen Tante entrümpelt und letzte Woche dann letztendlich geräumt. Seither bin ich sehr desillusioniert, was den Wert geerbter Gegenstände angeht: Ihr Goldrandgeschirr wird etwa 40Euro bringen.

    Das Silberbesteck (vollständig für 12 Personen mit 113 Teilen) ist gerade mal den Silberpreis wert: etwa 80Euro.

    Bei den Bildern ist der Rahmen durch die Bank wertversprechender als die Bilder selber.

    Und bei den Pelzen sieht es ähnlich aus. Ich kann alle 10 Pelzmäntel in die Tonne kloppen. Bis auf die beiden Nerze haben die alle keinen wirklichen Verkaufswert. *seufz*

    Meine Verkaufserfahrungen werde ich mal irgendwann in einen Blogeintrag giessen, damit die Nachwelt an meinen Erfahrungen teilhaben kann.

    Ciao Christine

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  2. Hallo Carola,
    nachdem ich einiges Geschirr von V&B angesammelt hatte, fehlten mir irgendwann Einzelstücke.

    Ein Tipp von einer Freundin aus Mettlach (Stammhaus V&B, mein Ausbildungsbetrieb) es bei einer Porzellanbörse zu versuchen, hat funktioniert.

    Es gibt diverse Porzellanbörsen, zum Kaufen und Verkaufen von Geschirr. Einen Link nähe Hamburg hab ich Dir bereits gesendet. Was man finanziell dort erzielen kann ist nicht das Meiste, aber man macht sicherlich auch vielen anderen Sammlern eine Freude, wenn das Gesuchte dabei ist und ein paar Euros sind immer drin.

    Zumindest lebt dann das Geschirr weiter, bzw. wird genutzt, was ich gut finde. Ich hege meine arg reduzierten Schätze auch, nutze sie allerdings alle Tage, denn sie sind zu schön, um im Schrank zu verstauben.

    Liebe Grüße aus dem Rheinland vom Saarbini

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  3. Hallo Carola,
    ich liebe ,,altmodisches Geschirr :) und verschnörkeltes und geblümtes undundund
    und ich benutze es und es kommt in die Spülmaschine nur in den Mikro..naja ab und zu blitzts dann mal
    aus dem Silberbesteck kann meine Schwiegertochter tollen Schmuck machen oder ich mache ab und an Mobiles daraus.Ich denke da so pragmatisch und beim benutzen an meine Lieben :)
    Liebe Grüße aus dem Saarland
    Alex

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